\"Wo bleiben die Menschen?\"
Zweifelsfrei hält das Land weiterhin an den Planungen fest, auch den Truppenübungsplatz Senne als Nationalpark auszuweisen. Denn das Umweltministerium hat festgelegt, dass die Nationalparkplanung im Bereich des Teutoburger Waldes und der direkt angrenzenden Senne zweigleisig weiter verfolgt werden soll. Einen Nationalpark Senne durch die Hintertür befürchtet Udo Neisens, Vorsitzender der CDU Hövelhof.
Denn im neuesten Gutachten der LANUV, einer Behörde im Aufgabenbereich des Umweltministeriums, heißt es weiter, dass die Senne mittelfristig Bestandteil einer Nationalparkkulisse werden soll. Insofern ist ein Aufatmen für Hövelhof verfrüht.
Die jetzigen Überlegungen für einen Nationalpark Teutoburger Wald basieren auf einer Initiative des Kreises Lippe. Dass die Planungen der Lipper nur mit nicht-lippischen Flächen zu realisieren sei, ist zu kritisieren. Die rot-grüne Minderheitsregierung scheint nun ihre Klientel bedienen zu wollen, indem sie ihren „Mini-Nationalpark“ auf Gebieten durchzusetzen versucht, in denen eine vermeintliche Zustimmung zu erwarten sei. Absichtlich scheint das Land dabei die Senne-Anrainer im Unklaren lassen zu wollen. Schließlich sei der Ausgangspunkt aller Planungen für einen Nationalpark in Ostwestfalen-Lippe die Folgenutzung des Truppenübungsplatzes gewesen.
Sollte ein Nationalpark Teutoburger Wald entstehen, sei die Strategie des Landes klar, so Udo Neisens weiter. Der Naturraum Senne soll der Nationalparkkulisse angeschlossen werden. Schlimmstenfalls könne auch weit über die Senne hinaus die Schutzzone eines Nationalparks reichen.
Mit versprochenen Wander- und Reitwegen, Erlebnispfaden und geführten Touren versucht das Umweltministerium nun, einen Nationalpark schmackhaft zu machen. Naturbeobachtungen sollen für jedermann erfahrbar und die Tourismuszahlen in der Region steigen. Dies hält Christian Berg, einer der Stellvertreter Neisens, für rot-grüne Lippenbekenntnisse. Ein Blick in die Eifel und den dortigen Nationalpark sollte auch die Befürworter des Projektes in der Senne ernüchtern. Zum einen sind die Zahlen der Touristen in der Eifel rückläufig und zum anderen sollen nach dem Willen der Grünen „touristische Fehlentwicklungen“ korrigiert werden. Die schon zuvor ausgedünnten Wander- und Reitwege sollen weiter massiv zurückgebaut werden. Ein Naturerlebnis für jedermann sieht sicherlich anders aus. Auch sollen Durchgangsstraßen komplett geschlossen und Umgehungsstraßen von einem Ort zum anderen gesperrt werden, da die Emissionen die natürlichen Abläufe der Natur stören. Holz soll im Zuge des Waldumbaus nicht mehr entnommen werden dürfen, sondern an Ort und Stelle nach dem Schlagen verbleiben und verrotten.
In Gesprächen mit den Kommunen war als Touristenmagnet ein Wisentgehege vom Umweltministerium versprochen worden. Diese Entscheidung wurde bereits zurückgenommen. Nun soll stattdessen eine Blumenwiese als Attraktion herhalten. Weitere touristische Planungen für eine angemessene Infrastruktur wie Reiterhöfe und Campingplätze in den umliegenden Gemeinden werden aufgegeben. Auch die Bauern beklagen vermehrten Wildschaden auf ihren Feldern, doch die derzeitige Jagdregulierung soll auf Wunsch der Grünen ganz zurückgenommen werden.
Ein Naturerlebnis für jedermann war versprochen, doch die wenigen Touristen dürfen nur an ausgewählten Stellen die Natur erleben und die Bevölkerung fühlt sich mittlerweile aus ihrer eigenen Region ausgesperrt und leidet unter der Ausweisung und Umsetzung der Schutzzonen. Die Entwicklungen in der Eifel machen mehr als deutlich, dass ein Nationalpark vor allem und in erster Linie dem Schutz der Natur dient. „Doch wo bleiben wir, die Menschen?“, fragt Udo Neisens.