CDU Gemeindeverband Hövelhof

Nationalpark: Kein Konsens in der Region

Bürger fühlen sich übergangen und ausgesperrt

In der Eifel wurde 2004 der erste Nationalpark in NRW gegründet. Mittlerweile ist von Begeisterung keine Spur mehr. Vielmehr machen sich Enttäuschung und Ernüchterung breit. Versprechungen und Zusagen seitens der Nationalparkbefürworter an die Bevölkerung wurden nicht eingehalten. Zwei Beispiele aus der Presse:

Wisent-Gehege vom Tisch 

Heimbach (mv). «Ich bin wirklich enttäuscht», sagt Heimbachs Bürgermeister Bert Züll auf Nachfrage. Enttäuscht sei er und überrascht. Aus den «DN» musste er nämlich vor wenigen Tagen erfahren, dass statt der geplanten Wisente auf einem Gelände am Kloster Mariawald nun eine Blühwiese geplant ist.

Außerdem sollen auf einem Teilgebiet ganz normale Rinder grasen. «Ich hätte mir die Wisente für den Nationalpark gewünscht», trauert Züll der Entscheidung von Nationalparkleitung und Ministerium hinterher. Schließlich haben er und seine Mitarbeiter in den vergangen Jahren diverse Gespräche zur Vorbereitung des Projekts geführt. Es wurde mit Umweltverbänden diskutiert, mit der Leitung des Klosters und mit den Forstämtern konferiert, und man habe sich sogar einmal ein Wisentgehege angesehen. Die Mühe war vergebens.

Eine touristische Attraktion allererster Güte sollte das Wisentgehege für Heimbach werden. Schließlich sind Wisente die schwersten und größten Landsäugetiere in Europa (männliche Tiere werden bis zu 840 Kilo schwer). Sie sind fast ausgestorben und nur in wenigen Zoos und Gehegen in Deutschland zu sehen.

Warum aus dem Projekt nichts wird, darüber kann Züll nur spekulieren. «Als das entschieden wurde, saß ich nicht mit am Tisch», wiederholt er auf Nachfrage. Und: Er wisse schlicht nicht, woran es lag.

Genau weiß dies der Leiter des Nationalparks, Henning Walter. Es hätte sich außer Ostwestfalen noch der Siegen-Wittgensteiner Bereich erfolgreich um ein Wisentgehege beworben, teilt er mit. Mehr als zwei Wisentgehege «will man aber in Nordrhein-Westfalen nicht haben». Außerdem, so Walter, hätte man in Heimbach noch 30 Hektar FFH-Fläche in Nationalpark-Gelände umwandeln müssen. Da sei lang und breit darüber gestritten worden, ob eine Umwandlung für zehn erwachsene Tiere sinnvoll sei.

Züll und Walter weisen unabhängig von einander darauf hin, dass auch Blumenwiesen im Umfeld eines mittelalterlichen Klosters durchaus ihren Reiz haben können.


erschienen in den Aachener Nachrichten, 17.01.2011



Noch einmal im Urftsee geangelt

Von F.A. Heinen

Ein gutes Dutzend Eifeler Petrijünger nahm die Gelegenheit, unter Nationalparkbedingungen die Rute auszuwerfen, wahr. Ein jahrelanges Tauziehen war vorausgegangen, denn der Nationalpark Eifel ist ein Naturschutzobjekt.

Schleiden-Gemünd - Fünf Jahre ruhte die Fischerei am Urftsee, in dieser Woche durften erstmals wieder Sportfischer dort die Angel auswerfen. Der Anglerglück blieb ihnen am ersten Tag versagt, kaum ein Fisch biss an. So schauten die Fischer vom Ufer aus zu, wie zeitgleich Wissenschaftler vom Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz Nordrhein-Westfalen (LANUV) ihre Fischnetze auswarfen, um den Bestand zu kontrollieren. So wirklich befriedigend war dieses Auftaktangeln unter Nationalparkbedingungen nicht, obwohl der eigens abgestellte Ranger ausgesprochen hilfreich und zuvorkommend auftrat.
Vorausgegangen war ein jahrelanges Tauziehen. Der Nationalpark Eifel ist in erster Linie ein Naturschutzprojekt. Lediglich das neugierige Hingucken, was die Natur so treibt, wenn sie sich selbst überlassen ist, soll an ausgewählten Stellen möglich sein. Um die Natur für Touristen erlebbar zu machen, wird mit hohem Aufwand an der Verbesserung der freigegebenen Wander- und Radwege gearbeitet.

Bürger ausgesperrt

Dennoch gab es Unmut in der Bevölkerung. Die Dreiborner, an deren Ortsrand der Nationalpark beginnt, sehen sich aus angestammten Wanderrevieren ausgesperrt. Die Bauern stellen vermehrten Wildschaden auf ihren Feldern fest, und die Jäger stimmen ins Lamento ein, denn sie sind als Jagdpächter für die Begleichung solcher Schäden verantwortlich. Verdruss also an vielen Fronten.
In der Nationalparkverordnung ist auch festgeschrieben, dass das Sportfischen am Urftsee nicht mehr gestattet ist. Es begann das Ringen um ein nachträgliches Fischereirecht im Schutzgebiet. Die Sportfischer konnten zutreffend darauf verweisen, dass sie rund hundert Jahre lang dort ihrem stillen Sport nachgehen durften. Zudem entstand die hochwertige, urwüchsige Naturlandschaft des Urfttales im Bereich des Einlaufs des Flusses in die Talsperre, obwohl geangelt wurde.
Offensichtlich aus grundsätzlichen Erwägungen ließen sich weder die Nationalparkverwaltung noch die um Hilfe gebetene Politik erweichen. Keines der vorgetragenen Argumente zog, weil offensichtlich keiner den Präzedenzfall „Änderung der bestehenden Nationalparkverordnung“ riskieren wollten.
Am Ende wandten sich die Sportfischer aus der Eifel am 5. März 2009 an den Petitionsausschuss des Landtages. Der Urftsee sei ein künstliches Gewässer mit strukturellen Mängeln, in dem sich kein natürlicher Fischbestand entwickele. Daher sei Fischerei-Management geradezu erforderlich, argumentierten sie. Zudem wiesen die Fischer darauf hin, dass das Angeln durchaus auch touristisch attraktiv sei und geradezu als Beispiel für „sanften Tourismus“ herhalten könne, der ja erwünscht sei.

Politischer Kompromiss

Der Petitionsausschuss lehnte das Ansinnen der Fischer ab, das komme „nicht in Betracht“. Eine „auch nur teilweise Bevorzugung“ der Fischer vor Tauchern oder anderen Wassernutzern sei ausgeschlossen. Die Landtagspräsidentin teilte zudem mit, dass am Obersee des Rursees neue Angelmöglichkeiten geschaffen wurden, wenngleich diese eine weitere Anfahrt von Gemünd her erforderlich machten.
Der Ausschuss riet aber dazu, an den zwei Tagen im Jahr, an denen zur wissenschaftlichen Kontrolle des Fischbestandes gefischt wird, auch die Sportfischer zuzulassen.

erschienen im Kölner Stadtanzeiger, 25.08.2010