Fachkonferenz Senne der CDU Hövelhof
Der vom grünen Umweltminister Remmel geforderte Einstieg in die Diskussion um einen Nationalpark Senne wird von der heimischen CDU kritisch betrachtet. In einer Informationsrunde trafen sich Vertreter der CDU Hövelhof, Bad Lippspringe und Schloß Holte-Stukenbrock im Hövelhofer Rathaus, um sich über die Begrifflichkeiten Nationalpark, Biosphärenreservat und Naturpark zu informieren. Als Referent war Dipl.-Forstwirt Franz Herbert Gruber geladen, der die unterschiedlichen Schutzkategorien erläuterte. Weitere Referenten auf dieser Fachkonferenz Senne waren der Vorsitzende des landwirtschaftlichen Kreisverbandes, Hubert Beringmeier, Bürgermeister Michael Berens und der Vorsitzende des neugegründeten Vereins zum Erhalt des Truppenübungsplatzes Senne, Peter Murke.
Nach dem Bundesnaturschutzgesetzt ist ein Nationalpark im Prinzip ein großes Naturschutzgebiet. Dies bedeutet auf der einen Seite den höchsten Schutz für Flora und Fauna, auf der anderen Seite, bleibt der Mensch außen vor. Wege und Straßen würden stillgelegt und dürften nicht genutzt werden, da sie das Gebiet zerschneiden würden. Für etwa 75 % der Fläche ist nach den internationalen Bestimmungen der IUCN der höchste Prozeßschutz anzustreben. Dort dürften selbst Heidschnucken und Schafe nicht mehr die Heideflächen pflegen, da diese Tiere den Ablauf der Naturvorgänge stören würden. Auch die Jagd auf die große Wildpopulation ist in einem Nationalpark streng untersagt. Insbesondere für die Landwirtschaft könnte dies zu Problemen durch Verbiß an der Ernte oder aber auch durch die Maul- und Klauenseuche, bzw. Schweinepest führen, da ein unkontrollierter Wildschweinbestand sich weit über die Flächen des Nationalparks ausweiten würde.
Die Landschaft der Senne ist über Jahrhunderte durch das Heidebauerntum entstanden und seit der militärischen Nutzung in ihrem Zustand bewahrt worden. Bei der Senne handelt es sich demnach um einen von Menschenhand geschaffenen Natur- und Kulturraum. Dies schließt eigentlich die Einrichtung eines Nationalparks aus, da laut Bundesnaturschutzgesetz Nationalparke in Gebieten ausgewiesen werden sollen, die sich in einem überwiegenden Teil von Menschen nicht oder nur wenig beeinflussten Zustand befinden. Im Gegensatz zum Nationalpark sind die Restriktionen für den Menschen in einem Biosphärenreservart weniger streng. Die auf UNESCO-Richtlinien zurückgehenden Biosphärenreservate dienen vornehmlich der Erhaltung einer durch hergebrachte vielfältige Nutzung geprägten Landschaft. Die darin historisch gewachsene Arten- und Biotopvielfalt soll geschützt werden, einschließlich der früheren Kulturformen, im Fall der Senne beispielsweise die Heidschnuckenschäferei. Ähnlich wie in einem Fall eines Nationalparks gibt es auch hier streng geschützte Regionen, die nicht vom Menschen zu betreten sind und wo die Natur sich selbst überlassen bleibt. Jedoch ist diese Fläche für den Prozeßschutz wesentlich kleiner und eine Regulierung der Wildbestände ist im Gegensatz zum Nationalpark möglich. Darüber hinaus ist eine touristische Nutzung und Erschließung großer Teile, etwa durch Radfahrer und Wanderer oder auch Reiter ist bei einem Biosphärenreservat gewünscht. Ebenfalls wären Verbindungsstraßen weiterhin nutzbar, etwa zwischen Hövelhof und Bad Lippspringe.
Naturparke bieten für die Natur die niedrigste Schutzkategorie. Im Vordergrund steht vor allem die touristische Erschließung auf nachhaltige Art und Weise und die Naherholung für die Anrainer.
Die auf der Versammlung vertretenen CDU-Stadt- und Gemeindeverbände waren sich einig darin, dass weiterhin die militärische Nutzung im Vordergrund stehen soll. Erst durch das Militär konnte diese einmalige Naturlandschaft in dieser Form über Jahrzehnte bewahrt werden. Falls Briten und auch die Bundeswehr kein Interesse an einer weiteren Nutzung haben sollten, dann müsse der Naturraum entsprechend geschützt werden. Als mögliche Schutzkategorie ist der Schutz nach UNESCO-Richtlinie Biosphärenreservat eine Möglichkeit.
„Es gibt noch eine Menge Informationsarbeit zu leisten“, so der Vorsitzende der Hövelhofer CDU Udo Neisens. Für die Hövelhofer CDU wird vor allem die ergebnisoffene Diskussion mit dem Bürger eine wichtige Rolle spielen. Sollte das Kapitel der militärischen Nutzung der Senne ein Ende finden, brauche man Zeit und keine Schnellschüsse. Es muss Zeit geben, um über Chancen und Risiken einer zukünftigen Nutzung der Senne zu reden. Die Begrifflichkeiten müssen noch mehr verdeutlicht werden. Die Umweltverbände, die Diskussionen über einen Nationalpark fordern, sollten beachten, dass ihre Diskussionskultur offenbar keine Ergebnisoffenheit kennt. „Wer heute bereits das Ergebnis der zu führenden Diskussion kennt, will diese Diskussion gar nicht“, so Neisens.