Planer will Ortskern besser gliedern
Teilansicht des Hövelmarktplatzes mit der Wohn- und Geschäftshauszeile, errichtet in den 80er Jahren. Planer Erwin Schürmann schlägt vor, auf dem Platz ein Karree mit einem Baum im Zentrum zu schaffen. Bislang liegt der Vorentwurf als Teil eines sogenannten Masterplanes auf dem Tisch. Damit befasste sich am Montagabend im Gasthof Kersting der »Treffpunkt CDU«. Ausgelöst wurde die Planung durch den Vorschlag der Jungen Union (JU), auf dem Hövelmarktplatz eine Dorflinde zu pflanzen (das WESTFÄLISCHE VOLKSBLATT berichtete). Daraufhin beauftragte die Gemeinde das »Büro für Freiraumplanung« in Bielefeld (Diplom-Ingenieure/Architekten Erwin und Hildegard Schürmann) mit der Erstellung eines Masterplanes, der unter anderem auch den Bereich am Mahnmal/Jagdschloss umfasst.
CDU-Gemeindeverbandsvorsitzender Udo Neisens erklärte einleitend, der Hövelmarkt sei eine »Perle im Ortszentrum«. Bei einer Umgestaltung spreche sich die CDU dafür aus, den Platz auch künftig als Parkplatz zu nutzen. »Die SPD hat ja vorgeschlagen, den Platz komplett für Fahrzeuge zu sperren. Das halten wir für falsch«, bemerkte Neisens.
Planer Erwin Schürmann sagte, der Hövelmarktplatz wirke »zu groß«, es mangele an ordnenden Raumkanten; dadurch fühle man sich auf dem Platz »nicht so recht wohl«. Das Areal sei groß genug, um einen großkronigen Baum in der Mitte zu verkraften.
Auf dem Hövelmarkt und im nahen Umgebungsbereich seien Parkplätze in ausreichender Anzahl vorhanden. Neue Parkplätze müssten also nicht geschaffen werden. Umgestaltungen im Ortskern sollten idealerweise so erfolgen, das wiederkehrende Elemente (beispielsweise Materialwahl bei der Pflasterung; Bäume) den Eindruck einer räumlichen Einheit vermitteln, zum Flanieren, zum Aufenthalt und zum Einkaufen einladen. Wichtig sei es, Dinge, die positiv sind, beispielsweise Baumbestand an der Allee, zu erhalten und andere Bereiche optisch durch Begrünungen zu beleben und aufzuwerten.
Die Kurze Straße, die Straße Zur Post, die Bahnhofstraße und andere mehr seien quasi »ausgeräumt«, weil Bäume nahezu gänzlich fehlen. Erwin Schürmann regte an, im Bereich Zur Post/Kurze Straße mit Begrünungen zu beginnen. In der folgenden Diskussion erklärte das frühere Ratsmitglied Ferdinand Wesseler, er sei enttäuscht von diesem Abend. Der Hövelmarkt sei doch nicht das Herz der Gemeinde! Es gebe andere Stellen, die ebenso Ortskern sind, aber problembehafteter seien. Hier müsse die Gemeinde mal Gespräche mit Haus- und Grundstückseigentümern führen und die Initiative ergreifen.
Von einem großen Baum auf dem Hövelmarktplatz hält Wesseler gar nichts. Durch Radius und Wurzelwerk werde »der Platz kaputt gemacht«. Zudem warnte Wesseler vor mehr Verkehrsschildern und Regelungen: »Jede Regelung ist das Eingeständnis falscher Planung«.
Erster Schritt zur Masterplan-Umsetzung ist die Umgestaltung am Mahnmal. Im Gemeindehaushalt sind dafür 100 000 Euro veranschlagt.
Akut erscheint der Handlungsbedarf zur Umgestaltung des Hövelmarktplatzes nicht. Er ist bautechnisch in Ordnung und wird den Anforderungen derzeit gerecht. Mehr aber auch nicht. Wenn sich nun aber die Chance bietet, den Platz besser zu gliedern, um ihm mehr Aufenthaltsqualität zu verleihen, sollte diese Gelegenheit genutzt werden.
Parken muss dabei auch künftig gewährleistet sein; ebenso sollte die Gemeinde mithelfen, die von verschiedenen Anliegern bereits gut genutzten Möglichkeiten der Außengastronmie zu unterstützen. Weitgehend ruhender Verkehr bei gleichzeitiger Außengastronomie muss auf dem Platz bei räumlicher Trennung kein Widerspruch sein. Wenn im Herzen des Platzes ein großkroniger Baum gepflanzt werden sollte, reduziert sich das Pkw-Stellplatzangebot nur unwesentlich. Ob ein Lindenbaum die beste Wahl wäre, darf bezweifelt werden. Auf Linden sitzen sommertags Blattläuse, die erstaunlich große Mengen klebrigen Honigtaus ausscheiden. Autofahrer, die ihren Wagen schon mal unter Linden abgestellt haben, kennen die Folgen. Ruhebänke unter Linden lassen sich kaum benutzen, weil die Sitzflächen einfach total und dauerhaft verdrecken. Bei robusten Platanen, die sich gut beschneiden lassen, taucht dieses Problem übrigens nicht auf. Jürgen Spies