Meine lieben Zuhörerinnen und Zuhörer,
als Pastor Haase mich vor einigen Wochen ansprach, an einem Sonntag eine Fastenpredigt zu halten, da war ich sehr verunsichert. Wir trafen uns daraufhin eine Woche später zu einem gemütlichen Glas Wein. Eine theologisch fundierte, wissenschaftlich ausgearbeitete Predigt erwarte er nicht, dann würde er einen Mitbruder einladen. Etwas provokant war sein Titelvorschlag: Katholisch und trotzdem okay! – Was bedeutet es, als Christ zu leben. Und meine Verunsicherung wurde noch größer, als Pastor Haase mich bat, Lesungstext oder Bibelstelle auszusuchen.
Wann hatte ich das letzte Mal in der Bibel gelesen? Vor fast zwei Jahren, in der Zeit als meine Mutter verstarb.
Sonntags drauf blätterte ich nachmittags in der Bibel. Einige Stellen notierte ich mir schon mal vorsichtshalber, ich wollte das Buch schon zuschlagen, da fand ich im Johannesevangelium die Stelle vom „Aufbruch zum Laubhüttenfest“ und dann diese Stelle
„Aber niemand redete öffentlich über ihn, denn man fürchtete sich vor den Juden.“
Wer von uns redet offen von ihm, vor wem haben wir eigentlich Angst? Ich fühlte mich selbst betroffen und erinnerte mich:
Vor einigen Jahren, ein Samstag Abend in der Sporthalle: Ich kam etwas später als verabredet, zwar immer noch rechtzeitig vor Spielbeginn, aber die anderen waren schon beim Aufwärmen. Entschuldigung – ich hatte zu Hause noch so viel zu tun. Und dann zum Schluss noch das Telefon. Ausrede, nichts als Ausrede – Tatsache war, die Abendmesse hatte etwas länger gedauert, Hirtenbrief oder etwas anderes hatte den Gottesdienst länger als üblich ausfallen lassen. Es wäre doch einfach gewesen, locker mal zu sagen: Der Pastor hat heute etwas länger gepredigt, aber ich bin ja noch in der Zeit! Ich redete nicht offen darüber, aus Furcht vor wem eigentlich?
Es gibt noch andere Situationen. Bei uns in der Familie ist es üblich, bei warmen Mahlzeiten ein Tischgebet zu sprechen. Zu hause – wieso eigentlich nicht in der Gaststätte. Genug der Beispiele, es gäbe sicherlich noch eine Menge mehr davon.
Katholisch und trotzdem okay? Für mich stellte sich die Frage etwas weniger provokativ:
Was bedeutet es, als Christ im Alltag zu leben? Oder was bedeutet es mir, als Christ zu leben? Wo ist es mir persönlich aufgefallen, da ist mehr als bloßes humanistisches Gedankengut. Lassen Sie mich vier Positionen aufzeigen:
1. Ich gehe mittlerweile gerne in den Gottesdienst – mir fehlt etwas am Wochenende, wenn es mal nicht klappt. Als Jugendlicher fand ich Gottesdienst noch langweilig, eine Pflichtübung halt, die ich auch schon mal ausließ. Woher der Wandel? Weil ich ansprechende Gottesdienste erlebt habe – guter Gottesdienst muss nicht unbedingt immer auch gleichzusetzen sein mit guter Predigt – alleine auch die Wärme, die Atmosphäre kann mir helfen. Manchmal gelingt es mir, bei der ganzen Predigt dabei bleiben zu können! Manchmal schalte ich aber auch schon nach 15 Sekunden ab. Meine Gedanken sind woanders, ich komme auf eine andere Art und Weise zur Ruhe. Diese Ruhe brauche ich und diese Ruhe stärkt mich für die kommende Woche. Diese eine Stunde am Sonntag ist keine verlorene Zeit, ich nehme für mich etwas mit! Diese Ruhe könnte ich auch bei einem Waldspaziergang finden, warum dann der Gottesdienst. Gemeinschaft erleben, auch beim Ruhe finden. Gemeinschaft erleben auch beim Kommunionempfang, erleben, wie viele doch offensichtlich auch das gleiche Bedürfnis haben. Erleben – ich bin mit meinem Glauben nicht allein.
2. Ich gehöre nicht zu denen, die gerne nur meckern. Ich mische mich auch ein. Jeder von uns kann seine Talente einbringen, der eine mehr, der andere weniger, nur vergraben sollten wir sie nicht. Christen sind nicht nur aktiv in der Pfarrcaritas, bei Kolping, bei Brot und Mehr – um auch hier nur einige Beispiele aus unserem Pfarr-Gemeindeleben zu nennen. Ich beziehe bewusst unser komplettes Leben mit ein:
a. Christ-Sein erfolgt auch im Sportverein: Junge Menschen brauchen gute Vorbilder, gute Trainer und Betreuer. Dabei ist für mich ein guter Trainer nicht unbedingt derjenige, der nur den sportlichen Erfolg im Blick hat. Trainieren bis zum Umfallen oder sogar bis zum Erbrechen, hier noch ein Aufputsch-Mittel oder gar Doping. Der sportliche Erfolg ist nur von kurzer Dauer. Ein guter Trainer hat andere Ziele:
Jungen Menschen zu lehren, verantwortungsvoll mit dem eigenen Körper umzugehen!
Im Sport den Gemeinschaftsgedanken fördern, das „Wir können es gemeinsam schaffen“ – dies kann zu regelrechten Euphorien führen, wie wir alle sicherlich noch von der letzten Fußballweltmeisterschaft wissen.
Den Gegenüber nicht als Gegner sehen, sondern als Mitmenschen. Er war im konkreten Fall sportlich halt besser als ich, das gönne ich ihm auch! Auch hier war die letzte Fußballweltmeisterschaft ein gutes Beispiel. Unsere deutsche Nationalmannschaft schied im Halbfinale aus und wir haben trotzdem beim und nach dem Endspiel eine tolle Atmosphäre erleben dürfen.
Den Verlierer lassen wir nicht alleine, er braucht unser tröstendes Wort, Mensch, hast Du gut gemacht, Du hast Dein Bestes gegeben!
Schade finde ich nur die berühmt-berüchtigten negativen Beispiele:
Die angeblichen Fan´s, die ihre Lust und noch öfter ihren Frust gewalttätig äußern. Oder auch die öffentliche Häme: Er oder sie hat nur den 4. Platz gemacht, dabei war er oder sie doch haushoher Favorit.
Gerade in solchen Situationen sind wir als Christen eben auch gefordert! Schön fand ich die Reaktion von Magdalena Neuner. Sie hatte die Silbermedaille in Vancouver im Sprint gewonnen. Nach 7,5 km fehlten gerade mal 1,5 Sekunden zum Sieg. Sie ärgerte sich nicht, sie freute sich, gestand ganz offen: Ich habe alles gegeben, mehr war nicht drin. Solche Beispiele machen Mut! Ein paar Tage später klappte es dann auch mit Gold!
b. Christ-Sein erfolgt auch in der Politik und dass in vielfältiger Hinsicht:
Meinungsbildung erfolgt durch Austausch von Argumenten. Sicherlich sind manche Argumentationsketten eindeutig ideologisch geprägt. Mit Ideologie verbinden wir immer etwas Negatives – ich möchte das Wort umformulieren: manche Argumentationen erfolgen aus einer entsprechenden Werthaltung heraus – das hört sich schon positiver an. Wenn ich diese Auffassung bei einem Meinungsbildungsprozess zu Grunde lege, dann lasse ich These und Antithese, Argument und Gegenargument zu. Dann mache ich meinen Gegenüber nicht durch polemische Wortspielchen lächerlich, sondern akzeptiere auch, dass er mitunter anderer Meinung bleibt. Dabei sind doch meine Argumente so überzeugend!
Zugegeben, manchmal muss man in einer politischen Auseinandersetzung einen Sachverhalt auch zugespitzt darstellen. Die Unterschiede in den Argumentationsketten und bei den Ansätzen müssen sicherlich deutlich gemacht werden. Das darf im Übrigen nicht nur im Verhältnis zum politischen Mitbewerber geschehen. Nein, gerade auch in der Meinungsfindung im eigenen politischen Lager muss schon mal länger gerungen werden. Wir leben in einer Demokratie, einem Regierungssystem, in dem der Wille des Volkes ausschlaggebend ist. Wir haben keine Diktatur, bei der eine Person alleine unbeschränkte Vollmachten ausübt. In einer Demokratie bedarf es letztlich zur Entscheidungsfindung einer Mehrheit. Wir als Christen können hier mehrere Dinge tun: Zum einen uns bei den entsprechenden Wahlen beteiligen und damit Einfluss auf die Mehrheitsbildung ausüben. Zum anderen uns an den politischen Diskussionen beteiligen. Oder aber auch uns für entsprechende, zeitlich begrenzte Mandate zur Verfügung stellen.
Sie, die sie mir heute hier zuhören, wissen alle, dass ich selber diesen Schritt vor einigen Jahren getan habe. Ich habe mich in den Rat der Gemeinde Hövelhof wählen lassen. Mein Ziel war es nie, Fraktionsvorsitzender der CDU zu werden, das ergab sich irgendwie – aus welchen Gründen auch immer! Mein Ziel war es, hier vor Ort mit zu gestalten. Gerade in einer so kleinen, aber lebendigen Gemeinde wie in Hövelhof ist dies in den letzten Jahren immer spannend gewesen. Und wenn man selbst keine Ideen hätte, bei den vielen Veranstaltungen kommt man als Gemeinderat immer wieder ins Gespräch mit vielen Mitbürgern, sei es auf dem Pfarrfest, in der Sporthalle oder auch beim eigentlich erholsamen Spaziergang im Hövelhofer Forst. Immer wieder gilt es abzuwägen, zwischen Einzelinteresse und Gemeinschaftsinteresse, was wäre eigentlich sinnvoll, ist aber leider nicht zu finanzieren? Als ich vor vielen Jahren bereit war, als Gemeinderat anzutreten, da wusste ich nicht, welche Entscheidungen ich mit beeinflussen sollte. Ich darf Ihnen kurz drei Beispiele nennen. Erstens: der Sprung des Gewerbegebietes über den Hallerbach hinweg an die Hövelriegerstraße war über 20 Jahre in der politischen Diskussion – manchmal braucht man auch als Lokalpolitiker langes Durchhaltevermögen. Zweitens: wir haben uns intensiv über einen Zuschuss von 150 Euro für den fahrbaren Mittagstisch gestritten, eigentlich eine banale Angelegenheit bei einem Haushalt von über 20 Mill. Euro – könnte man sagen, aber bekanntlich sind auch die Details nicht unwesentlich. Drittens: die Beitragsfreiheit für Kinder in den Kindertagesstätten zu gewährleisten ab einem Jahresbruttoeinkommen von weniger als 25.000 Euro war ein Kraftakt auf Kreisebene. Sie sehen sicherlich an diesen drei Beispielen die unterschiedlichen Dimensionen. Und natürlich hätte man bei allen drei Entscheidungen auch andere Lösungen finden können. Christ sein bedeutet für mich an dieser Stelle: Eben nicht nur meckern, sondern Verantwortung übernehmen und zu dieser Verantwortung auch stehen.
3. Christ-Sein erfolgt auch im Berufsleben: Nun mag jeder sagen, klar als Lehrer ist das auch einfacher als im Handwerk oder als Unternehmer. Jeder, der seine Arbeit ordentlich und verantwortungsvoll leistet, der mit seinen Kolleginnen und Kollegen ein gutes Miteinander pflegt, der handelt meines Erachtens als Christ. Und dies gilt auch für jeden Unternehmer, der nicht alleine den wirtschaftlichen Profit sieht, sondern auch seine Mitarbeiter und die Familienangehörigen nicht aus den Augen verliert. Ich möchte aber hier keine Allgemeinplätze erzählen, sondern auch einige persönliche Erfahrungen darstellen:
Ich war damals noch Lehrer an einem Berufskolleg in Bielefeld: Klassenfahrt mit einer Abendschulklasse im Alter von 25 bis 50. Wir waren im Großraum Frankfurt anlässlich der Chemiemesse Achema, das Programm war fachlich gut gefüllt. Keine Spaßfahrt, sondern eine echte Studienfahrt. Natürlich waren die Abende zur freien Verfügung. Wir übernachteten in einem Kloster, eigentlich rein zufällig, aus Kostengründen, ansonsten nicht geplant. Die Klosterpforte schloss verständlicherweise früher; wir durften aber in unseren Räumlichkeiten länger machen. Es wurde länger. Ich weiß nicht mehr, wie, aber das Gespräch kam auf den nächsten Morgen. Ich sagte, ich wolle vor dem Frühstück noch den Gottesdienst besuchen. Wieso – weshalb – das Gespräch wurde länger und tiefgehend. Morgens um halb vier machten wir Schluss. Um sieben Uhr war ich nicht alleine im Gottesdienst, sondern mehrere Schüler waren trotz der frühen Uhrzeit auch da. Übrigens setzte sich das Gespräch an den kommenden Abenden fort. Die Atmosphäre im Unterricht war anders geworden. Selbst Jahre später hatte ich noch Kontakt. Während einer Fortbildung in Frankfurt habe ich sogar bei einem ehemaligen Schüler aus dieser Gesprächsrunde übernachtet.
Nunmehr bin ich seit einigen Jahren in Paderborn am Edith-Stein-Berufskolleg, einem kirchlichen Berufskolleg mit ganz anderen Schwerpunkten als in Bielefeld. Seit diesem Schuljahr sollen die Lehrkräfte morgens zu Beginn der ersten Stunde einen Morgenimpuls gestalten. Ich – Lehrer für Mathematik, Chemie und Informatik und dann Morgenimpuls. Ich dachte zunächst an die Schüler, wollte sie in die Pflicht nehmen, bloß die wollten nicht. Man habe mit der Klassenlehrerin gesprochen und vereinbart, die Lehrer sollten doch den Morgenimpuls übernehmen. Ich tat mich am Anfang schwer. Beim dritten Mal hatte ich die Vorbereitung vergessen, stand da etwas verloren vor der Klasse und sagte, Entschuldigung, aber auf den Morgenimpuls bin ich heute gar nicht vorbereitet. Eine Schülerin meinte ganz spontan: Dann beten wir gemeinsam das Vater unser. Eine andere: Dazu stehen wir aber auf. Gesagt, getan: alle standen auf, wir beteten gemeinsam das Vater unser. Diese spontane Rettung hat mir weitergeholfen. Mittlerweile klappt es auch bei mir spontaner, beispielsweise an einem Morgen, als die wenigsten Schüler schon da waren. Glätte und Schnee hatten den Verkehr mehr als behindert. Ich sagte, heute möchte ich etwas unkonventionell beten. Ich dankte Gott, dass die Anwesenden heile und gesund angekommen waren und bat Gott, dass die anderen entweder noch heile am Berufskolleg ankommen oder aber den direkten Nachhauseweg unversehrt finden sollten. Als ca. 15 Minuten später tatsächlich noch einige kamen, wurden sie herzlich begrüßt mit „Wir haben auch für Euch gebetet.“ Als die gerade Angekommenen etwas unsicher dreinschauten, kam nur von mehreren Schülern „Wirklich!“ Die Unsicherheit in den Gesichtern verschwand und ein Lächeln war unser Lohn.
Lassen sie mich noch eine Kursiosität von einem Betriebsausflug nach Berlin erzählen. Wir fuhren zunächst mit der Sennebahn nach Bielefeld und dann weiter per ICE, mit Platzkarten selbstverständlich. Zur Rückfahrt sammelten wir uns pünktlich am Berliner Bahnhof. Eine Kollegin war für die Reiseleitung zuständig und sagte nur, dass wir für die Rückfahrt leider keine Platzreservierungen hätten. Da wir aber ein Gruppenticket hätten, müssten wir trotzdem zusammenbleiben. Es fuhr ein Doppel-ICE ein, der sich ab Hamm teilen sollte. Der Zug war ziemlich lang. Er hielt an, wir stiegen ein, sahen Platzreservierungen angezeigt von Berlin bis Bielefeld. Sehr viele, genau passend für unsere Gruppe, „kann nicht für uns bestimmt sein“, meinte die Kollegin. Ich sagte, „setzen wir uns erstmal hin“. Gesagt, getan – dann noch einmal die Tickets angesehen. Wir hatten doch reservierte Plätze, genau die, wo wir gerade saßen. Zufall, oder wer hat da mitgeholfen? Etwa die Heilige Edith Stein? Man darf auch mal über so eine Begebenheit reden.
4. Christ-Sein heißt auch, am Pfarr-Gemeindeleben teilzunehmen. Zugegeben, früher war dies bei mir und meiner Frau noch intensiver. Jetzt, bedingt durch Berufsleben, politische Tätigkeiten und privater Situation mit Pflegefällen, hat dies verständlicherweise nachgelassen. Vor einigen Jahren gab es noch die sogenannten Eheseminare zur Vorbereitung auf die Eheschließung. Irgendwie sind wir damals auch einfach so reingerutscht. Jungen Paaren einige Gedanken zur christlichen Ehe mitgeben. Die meisten kamen eher gequält zum Seminar; es war eben ein Art Pflichtveranstaltung. Für uns war es immer wieder angenehm, wie sich die Meinung der Paare zum Seminar im Verlauf deutlich änderte. Auch heute sprechen mich noch Paare an: „Das war damals richtig gut.“
Wir hatten die verschiedensten Themen. Ein Thema war uns stets besonders wichtig: wie ist ihr Verhältnis zu Kindern? Obwohl teilweise bereits standesamtlich verheiratet, hatten viele Paare für uns überraschenderweise nicht über das Thema Kinder gesprochen. Wir fragten nicht nach dem Wann, sondern Ob überhaupt und warum? Das „Ob ein Paar überhaupt Kinder haben möchte“ halte ich nach wie vor für eine existentielle Frage in der Ehe. Wie kann eine Ehe Bestand haben, wenn beide Partner sich in dieser Frage nicht einig sind? Aber über so eine Frage hatten offensichtlich viele Paare noch nicht miteinander gesprochen.
Worüber Partner nicht miteinander reden, das war für uns schon überraschend. Wir ließen die Partner ein Haus der Ehe bauen. Männer und Frauen saßen zunächst getrennt, sie erhielten einen Zettel mit einem schematisch dargestellten Haus. Männer und Frauen sollten getrennt wichtige Begriffe in die verschiedenen Zimmer des Hauses eintragen. Klar kam überall Liebe, Vertrauen, Treue vor. Ein Mann schrieb in das größte Zimmer im Obergeschoss „Mutter“ – sie schrieb in den Rauch vom Schornstein „Schwiegermutter“! Nachdem die Zettel ausgefüllt waren, kamen die Paare zusammen und tauschten sich zu Zweit über ihre Häuser der Ehe aus. – Das eine Paar kam am nächsten Abend nicht mehr wieder, sie haben auch nicht mehr geheiratet.
Paare müssen sich über existentielle Fragen austauschen können, vor und erst recht in der Ehe. Dazu gehört auch das Verhältnis zu Gott. Wir müssen über ihn, von ihm und mit ihm reden, sonst fehlt uns die Basis unseres Zusammenlebens.
Eine neue Form des „Über ihn Reden“ ist das Predigtgespräch. Meine Frau und ich haben bisher an einem dieser Gespräche teilgenommen. Es waren noch nicht die meisten Teilnehmer: das ist bei mir angekommen, das hielt ich für besonders wichtig, diesen Gedanken könnten wir noch vertiefen. Am Ende der Vorschlag, es vielleicht auch mal zu einer anderen Zeit, nicht gerade in der Mittagszeit nach dem Hochamt zu versuchen. Denn alle Teilnehmer waren sich einig, diese zusätzliche Stunde war ein Gewinn.
Sie merken, ich komme nahtlos zu meinem 1. Punkt zurück, dem gemeinsamen Gottesdienst. Lassen Sie mich abschließend eine andere Stelle des Evangeliums zitieren: „Nachdem aber seine Brüder zum Fest hinausgezogen waren, ging auch er hinauf, nicht öffentlich, sondern so, dass es niemand merkte.“
Er ist auch da, wenn wir es gar nicht bemerken. Er steht uns zur Seite und wir dürfen über ihn, von ihm und mit ihm reden, ohne Furcht, vor wem auch immer.
Und die Worte des Apostel Paulus aufgreifend: Es gibt die Gaben des einen Geistes und jedem von uns wird die Aufgabe zugeteilt, die wir erfüllen können, ja erfüllen dürfen.
In diesem Sinne dürfen wir als Christen leben, sind wir katholisch und trotzdem okay.