CDU Gemeindeverband Hövelhof

Naturpark ja, Nationalpark nein.

Gedanken zur Senne

Es ist erstaunlich, mit welcher Vehemenz die Nationalpark-Gegner von den Befürwortern diffamiert werden. So werden die in der Region gesammelten 35.000 Unterschriften gegen einen Nationalpark als „erschlichen“ dargestellt und die Gegner per se als Lobbyisten der Industrie gebrandmarkt. Stichhaltige Argumente bringen die Befürworter in der Diskussion um die Senne dabei kaum noch vor, anscheinend wohlweislich, da für die offene Heidelandschaft ein Nationalpark die falsche Schutzkategorie darstellt. Es gibt viele gute Gründe, die für die Beibehaltung des Status quo in der Senne sprechen und die Natur wäre dabei der größte Nutznießer.

Doch wieso stellt ein Nationalpark für die Senneregion die falsche Schutzkategorie dar?
Offene Heidelandschaft in der Senne.Offene Heidelandschaft in der Senne.
Die Senne ist eine Kulturlandschaft und keine urwüchsige und sich selbst überlassene Naturlandschaft. Bekanntermaßen ist die Region und ihre aus naturschutzfachlicher Sicht wertvolle offene Heidelandschaft, wie wir sie heute kennen und schätzen, seit Jahrhunderten durch Menschenhand geprägt worden. Einen besonderen Schutz für die Natur bot und bietet das Militär, welches erst die Rückzugsräume für Flora und Fauna sicherstellte und die Landschaft vor einer Zersiedelung durch den Menschen bewahrte. Um die Natur in diesem Zustand zu erhalten, wurden und werden vielerlei Anstrengungen unternommen: So ist der gesamte Truppenübungsplatz als EU-Vogelschutzgebiet ausgewiesen. Darüber hinausgehendende Gebiete sind durch Naturschutzgebiete und FFH-Richtlinien bestens geschützt. Dieser Status sichert die Senne auch für zukünftige Generationen. Unsere Enkel und Urenkel werden den Naturraum Senne in der heutigen Form also erleben und dies allein nur deshalb, weil die Senne kein Nationalpark ist.

Denn ein Nationalpark wäre aus naturschutzfachlicher Sicht für die Senne nicht sinnvoll. Dies liegt daran, dass es kaum vom Menschen gänzlich unberührte Flächen gibt, auf denen das Konzept Nationalpark umgesetzt werden könnte. Eine solche idealtypische Umsetzung eines Nationalparks beinhaltet die Ausweisung von mindestens 75 % der Flächen als Prozessschutzflächen. Dort darf der Mensch und von ihm gehütetes Tier nicht eingreifen. Im Fall der Senne würde eine Nationalpark-Umsetzung schwerwiegende Konsequenzen nach sich ziehen, da die bisherigen wertvollen offenen Heideflächen vernichtet würden. Heute pflegen vornehmlich Heidschnucken die Landschaft und auch die immer wieder entstehenden Brände in der Senne führen zu einer Verjüngung der Heide und drängen den aufkommenden Birkenbestand zurück. In den Prozessschutzflächen würde durch die Nichtpflege von Mensch und Tier die offene Heidelandschaft der Senne sukzessive verschwinden.

Da ein Nationalpark Senne unsinnig ist, auch weil die Gesamtfläche für ein solches Projekt viel zu klein ist, werden immer wieder weitere Flächen, bspw. Waldgebiete im Teutoburger Wald oder in der Egge, in eine mögliche Gebietskulisse miteinbezogen. Auch in den dortigen Wäldern müssen nach dem Verständnis eines Nationalparks Prozessschutzflächen ausgewiesen werden. Dies bedeutet wiederum, dass die Wirtschaftswälder in Urwälder umgewandelt werden müssen und das Angebot an Holz langfristig künstlich verknappt wird, da eben Holzeinschlag vor Ort, trotz der Energiewende und der vielen privaten Kamin- und Kachelöfen, in den Prozessschutzflächen nicht erlaubt ist.

Die Gründe gegen einen Nationalpark, die Zerstörung der aus naturschutzfachlicher Sicht erhaltenswerten Heidelandschaft der Senne und die künstliche Verknappung von Holz vor Ort, sollten genügen, doch weitere negative Konsequenzen drohen bei einer Nationalpark-Ausweisung in der Region. Zwar besteht in einem Nationalpark kein generelles Betretungsverbot, jedoch müssen nach den Grundsätzen eines Nationalparks eine Reduzierung der Wanderwege und ein Rückbau der Durchgangsstraßen vorgenommen werden. Völlig unbegründet sind die Ängste innerhalb der Bürgerschaft also nicht, zumal in den bestehenden Nationalparks, bspw. in der Eifel, die Prozessschutzflächen nach der Einrichtung auf beinahe 90 % ausgeweitet wurden und dies nur durch eine Reduzierung der Wanderwege möglich ist. Dies geschah und geschieht unter dem Deckmantel „Fehlentwicklungen im Nationalpark Eifel korrigieren“. Der zuvor in der Eifel erreichte Konsens wurde einseitig von den Nationalpark-Befürwortern aufgelöst. Überträgt man diesen Vorgang auf die Senne, so steht zu befürchten, dass in den Verhandlungen um einen Nationalpark anfangs noch die Durchfahrt durch die Senne, bspw. von Hövelhof nach Bad Lippspringe und Richtung Augustdorf zugestanden wird. In einem folgenden Schritt, und das Beispiel Eifel legt diesen Schluss nahe, könnten diese Straßen geschlossen werden, um die dann festgestellten angeblichen "Fehlentwicklungen" zu korrigieren.

Dennoch könnte ein Konsens in unserer Region möglich sein: Obwohl das Natur- und Kulturerbe der Senne bereits heute durch vielfache Naturschutzrichtlinien gesichert ist, die eine wohnwirtschaftliche oder industrielle Nutzung ausschließen, könnte zur Zukunftsgestaltung ein tragfähiges und ideologiefreies Schutzkonzept von Anrainerkommunen, Kreisen und dem Land NRW entwickelt werden. Ein solches Schutzkonzept könnte im Rahmen eines Naturparks entstehen und wachsen, der in der Region bereits eingerichtet ist. Dieser Naturpark wiederum könnte um untereinander vernetzte Naturschutzgebiete ergänzt werden. Es beseht durchaus eine Chance und eine Hoffnung auf diesem Weg Naturschutz und menschliche sowie wirtschaftliche Interessen zusammenzubringen und unsere Region nachhaltig und einträchtig zu gestalten.