Kritik an Ganztagsbetreuung

Journalist Stadler zu Gast in Hövelhof

20.10.2015, 22:47 Uhr

Rainer Stadler, Journalist und Autor des Buches „Vater, Mutter, Staat“, stellt kritische Thesen in Bezug auf die Ganztagsbetreuung zur Diskussion. „Der Staat maßt sich an, der bessere Erzieher zu sein und geht das Risiko ein, dass Eltern das natürliche Gefühl für ihre Kinder verlieren“, so Stadler auf einer Diskussionsveranstaltung in Hövelhof, zu der der Gemeindeverband der CDU und der Familienbund des Erzbistums eingeladen hatten.

Vor rund 60 Teilnehmern stellte Stadler seine kritischen Thesen zur Ganztagsbetreuung vor und diskutierte im Anschluss mit den Anwesenden. Die Politik habe in den vergangenen 10 – 15 Jahren rund 20 Milliarden Euro in die als familienfreundlich titulierte Ganztagsbetreuung investiert. In den vergangenen Wahlkämpfen hätten sich alle Parteien für die Ganztagsbetreuung ausgesprochen, um die Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu fördern. „Die Konsequenz der Ganztagsbetreuung ist jedoch, dass die Familien als stabilisierende Einheit in der schnelllebigen Zeit immer weniger Zeit gemeinsam verbringen“, kritisierte Stadler. Vielmehr seien Möglichkeiten familienfreundlich, die die Familien zusammenführen würden.

 

Auch die Betonung der Politik, dass Eltern eine Wahlmöglichkeit haben müssen, wie sie ihr Kind betreuen, stellte Stadler in Frage. So seien Alleinerziehende schon aus rein finanziellen Aspekten gezwungen, wieder einer Erwerbstätigkeit nachzugehen. Zudem sei eine Auszeit aus dem Berufsleben nicht förderlich für die berufliche Weiterentwicklung.

 

„Ein weiteres immer wieder gern aufgeführtes Argument ist die individuelle Förderung innerhalb der Ganztagsbetreuung. Diese ist aber aufgrund des Personalmangels in den Krippen und Kindergärten gar nicht möglich“, behauptete Stadler. So würden 120 000 Erzieherinnen und Erzieher fehlen, um den von der Politik gewünschten Betreuungsschlüssel zu erfüllen. Weiterhin hätten nur 3% der Bildungseinrichtungen das Qualitätsmerkmal „gut“. Auch die Erfahrungen und Ergebnisse der PISA Studie würden belegen, dass Länder mit der Ganztagsbetreuung nicht besser abschnitten, als Länder ohne sie.

 

Stadler formulierte abschließend deutlich, dass die Politik zurzeit auf die „Zerstörung der Familie“ hinausliefe und die Familienministerin keine Politik für die Familien mache, sondern für die Wirtschaft. Gleichzeitig betonte Stadler, dass seine Thesen auf keinen Fall als Kritik an den Erzieherinnen und Erziehern zu verstehen seien, eher im Gegenteil. Auch unterstütze er das Ansinnen der Frauen, selbst beruflich Karriere zu machen.